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21.03.2009: Magdeburgerin ist Nachwuchsunternehmerin des Jahres

 

Modedesignerin Carolin Schmidt: "Pelz und Leder verabscheue ich, diese Materialien würde ich nie

verwenden"
 

Mit ihrer Firma "Lady Caro Lynn Modedesign" befindet sich Carolin Schmidt auf der Erfolgsspur. Wirtschaftsminister Rainer Haseloff (CDU) hat sie kürzlich als Nachwuchsunternehmerin des Jahres ausgezeichnet. Und obwohl sie erst 21 Jahre alt ist, weiß sie genau, was sie will. Und kann auf zahlreiche Erfahrungen in der Modewelt zurückblicken.

"Ich hatte Herzrasen. Das tat richtig weh." Wenn Carolin Schmidt über die Minuten vor der Preisverleihung spricht, ist ihre Aufregung zurück. "Während der Rede deutete alles darauf hin, dass ich die Gewinnerin bin. Als ich meinen Namen hörte, war ich trotzdem überrascht. Und überglücklich", sagt sie.
 

Die 21-Jährige steht in ihrem Büro. Früher war der Raum das Kinderzimmer ihres Bruders, nun ziehen Kleider, Puppen, Garnrollen und eine Nähmaschine die Blicke auf sich. In der Hand hält die junge Modedesignerin eine schwarze Mappe mit der Aufschrift "Caroline X". So heißt die Modelgruppe, die sie vor drei Jahren gegründet hat.

"Einige Mitglieder wie Lydia Potthoff und Madlen Soika kenne ich seit der 1. Klasse, Annika Lüder sogar seit dem Kindergarten. Andere sind später dazugestoßen. Ihnen allen bin ich sehr dankbar. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich heute bin", sagt Carolin Schmidt. 15 Mädels und zwei junge Männer gehören zur Gruppe. "Meine Mädchen müssen nicht den gängigen Klischees der Modeindustrie entsprechen. Sie sind alle hübsch, aber nicht unbedingt groß und dünn. Den Trend zu Magermodels finde ich sowieso unmöglich. Ganz normale Leute wollen schließlich auch angezogen werden."

Die Magdeburgerin blättert durch die Mappe, zeigt Kleider, die sie entworfen und genäht hat. Dann fängt sie an zu erzählen: von den Barbiepuppen, die sie als Kind mit Taschentüchern und Stoffresten eingekleidet hat; von der Mathestunde, in der sie oftmals Kleider am Blattrand entworfen hat, anstatt sich auf den Unterricht zu konzentrieren; von zahllosen Nachmittagen, an denen sie gezeichnet hat, während sich ihre Schulkameraden im Freibad vergnügten. "Ich wusste schon immer, dass ich Modedesignerin werden möchte. Einige Bekannte haben mich belächelt, ich solle lieber etwas Richtiges machen", erinnert sie sich.

Carolin Schmidt blickt flüchtig an eine Wand im Büro. Dort hängt die Urkunde, die sie als Nachwuchsunternehmerin des Jahres auszeichnet. Ihre großen braunen Augen funkeln. Sie lächelt. Stolz, weil sie es trotz aller Kritiker geschafft hat. Aber auch ein wenig verlegen: "Ich habe doch gerade erst angefangen. Vor mir liegt ein langer Weg."

Trotz der Auszeichnung hat Carolin Schmidt nicht vergessen, dass ihre Firma "Lady Caro Lynn Modedesign" auf Kinderfüßen steht – sie ist gerade einmal fünf Monate alt. Noch arbeitet die 21-Jährige nebenbei in einem Fitnessstudio, um sich etwas Geld dazuzuverdienen. Ob dafür zukünftig Zeit bleibt, ist fraglich. Denn die Auftragsbücher für die kommenden Monate sind voll. "Im Sommer werde ich jede Menge zu tun haben. Eine Hannoveraner Eventagentur hat mich für eine Modenschau gebucht. Dafür nähe ich 40 Kleider", erzählt sie.
 

Eine stressige Zeit, die auf sie zukommt. Doch die junge Modedesignerin ist es nicht anders gewohnt. Zwischen 2004 und 2008 absolvierte sie ihre Ausbildung an der privaten "Schule für Mode und Design" in Halle. "Ich bin jeden Morgen um 5 Uhr aufgestanden. Manchmal saßen wir um 21 Uhr noch immer zusammen und haben geplant. In meiner Klasse waren wir anfangs 20 Mädels, dann 15, dann zehn. Zum Schluss haben vier den Abschluss geschafft." Carolin Schmidt war eine von ihnen. Für ihre Abschlussarbeit musste sie acht Kleider entwerfen. Sie präsentierte 20. "Ich wollte zeigen, dass ich mich anstrenge."
 

Die Mühe hat sich gelohnt. Sie schloss mit 1 ab. Danach hat sie sich bei Modefrmen in Berlin und Hannover beworben. "Die wollten jemanden mit zwei oder drei Jahren Berufserfahrung. Das geht natürlich nicht, wenn du gerade deine Ausbildung beendet hast. Naja, haben sie Pech gehabt", sagt sie selbstbewusst. Und fügt hinzu: "Eigentlich war es naheliegend, dass ich meine eigene Firma gründe – schließlich hatte ich viele Anfragen."

Carolin Schmidt zeigt auf ein Bild in ihrer Mappe. "Das Kleid habe ich für einen Abiball genäht." Sie blättert weiter. "Und das war für eine Jugendweihe. Ich habe auch die Outfits für die Miss FC Magdeburg, die Miss Wellness und eine Weinkönigin entworfen. Und eine Kollektion "Fashion gegen Aids" gestaltet. Das waren alles Auftragsarbeiten. Nur für mich selbst mache ich so gut wie nichts."

Einzige Ausnahme: ein rotes Cocktailkleid – elegant bekleidet es die Modelpuppe, die in ihrem Büro steht. Ein echter Hingucker. So auffällig ist die Kleidung der Magdeburgerin sonst nicht. "Meistens trage ich Schwarz. Pelze und echtes Leder verabscheue ich. Diese Materialien würde ich nie verwenden."
 

Die Vegetarierin ist leidenschaftliche Tierschützerin. "Man muss sich einmal vorstellen, dass für einen einzigen Pelz für irgendeine reiche Frau 20 Füchse sterben müssen", sagt sie und fügt hinzu: "Bei diesen Themen kann ich mich echt in Rage reden. Meine Freunde werfen mir ab und zu vor, dass ich es übertreibe." Sie lächelt. Vielleicht auch, weil ihr die Kritik egal ist. Sie will ihren eigenen Weg gehen. Und geht es nach ihr, führt der sie nicht aus Magdeburg weg. "Ich bin hier geboren. Mein Freund will auch in der Gegend bleiben. Was soll ich woanders?"

Auch eine eigene Boutique steht nicht auf ihrer Wunschliste. Ihre Ziele: "Irgendwann will ich einmal nur von meiner Mode leben und eine Schneiderin einstellen können."

Mit der Auszeichnung als Nachwuchsunternehmerin des Jahres ist sie einen Schritt weiter. 1000 Euro hat sie als Preis bekommen. "Mit dem Geld bezahle ich das Patent für mein eigenes Labelzeichen. Das kostet 300 Euro, sagt sie. Außerdem erhält sie eine Existenzberatung. Der vielleicht wichtigste Preis ist aber die Aufmerksamkeit, die sie durch die Auszeichnung bekommt. "Die ist für ein junges Unternehmen schließlich unbezahlbar", ist sich Carolin Schmidt sicher.
 

Quelle: Volksstimme vom 21.03.2009, Autorin: Carolin Löffler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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