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Mit
ihrer Firma "Lady Caro Lynn Modedesign" befindet sich Carolin Schmidt auf der
Erfolgsspur.
Wirtschaftsminister Rainer Haseloff (CDU) hat sie kürzlich als
Nachwuchsunternehmerin des Jahres
ausgezeichnet. Und obwohl sie erst 21 Jahre alt ist, weiß sie genau, was sie
will. Und kann auf
zahlreiche Erfahrungen in der Modewelt zurückblicken.
"Ich hatte Herzrasen. Das tat richtig weh." Wenn Carolin Schmidt über die
Minuten vor der
Preisverleihung spricht, ist ihre Aufregung zurück. "Während der Rede deutete
alles darauf hin, dass ich
die Gewinnerin bin. Als ich meinen Namen hörte, war ich trotzdem überrascht.
Und überglücklich", sagt
sie.
Die
21-Jährige steht in ihrem Büro. Früher war der Raum das Kinderzimmer ihres
Bruders, nun ziehen
Kleider, Puppen, Garnrollen und eine Nähmaschine die Blicke auf sich. In der
Hand hält die junge
Modedesignerin eine schwarze Mappe mit der Aufschrift "Caroline X". So heißt
die Modelgruppe, die sie
vor drei Jahren gegründet hat.
"Einige Mitglieder wie Lydia Potthoff und Madlen Soika kenne ich seit der 1.
Klasse, Annika Lüder sogar seit
dem Kindergarten. Andere sind später dazugestoßen. Ihnen allen bin ich sehr
dankbar. Ohne sie wäre
ich nicht da, wo ich heute bin", sagt Carolin Schmidt. 15 Mädels und zwei
junge Männer gehören zur
Gruppe. "Meine Mädchen müssen nicht den gängigen Klischees der Modeindustrie
entsprechen. Sie sind
alle hübsch, aber nicht unbedingt groß und dünn. Den Trend zu Magermodels
finde ich sowieso
unmöglich. Ganz normale Leute wollen schließlich auch angezogen werden."
Die
Magdeburgerin blättert durch die Mappe, zeigt Kleider, die sie entworfen und
genäht hat. Dann fängt
sie an zu erzählen: von den Barbiepuppen, die sie als Kind mit Taschentüchern
und Stoffresten
eingekleidet hat; von der Mathestunde, in der sie oftmals Kleider am Blattrand
entworfen hat, anstatt sich
auf den Unterricht zu konzentrieren; von zahllosen Nachmittagen, an denen sie
gezeichnet hat,
während sich ihre Schulkameraden im Freibad vergnügten. "Ich wusste schon
immer, dass ich
Modedesignerin werden möchte. Einige Bekannte haben mich belächelt, ich solle
lieber etwas Richtiges
machen", erinnert sie sich.
Carolin Schmidt blickt flüchtig an eine Wand im Büro. Dort hängt die Urkunde,
die sie als
Nachwuchsunternehmerin des Jahres auszeichnet. Ihre großen braunen Augen
funkeln. Sie lächelt.
Stolz, weil sie es trotz aller Kritiker geschafft hat. Aber auch ein wenig
verlegen: "Ich habe doch
gerade erst angefangen. Vor mir liegt ein langer Weg."
Trotz der Auszeichnung hat Carolin Schmidt nicht vergessen, dass ihre Firma
"Lady Caro Lynn
Modedesign" auf Kinderfüßen steht – sie ist gerade einmal fünf Monate alt.
Noch arbeitet die 21-Jährige
nebenbei in einem Fitnessstudio, um sich etwas Geld dazuzuverdienen. Ob dafür
zukünftig Zeit bleibt, ist
fraglich. Denn die Auftragsbücher für die kommenden Monate sind voll. "Im
Sommer werde ich jede Menge zu
tun haben. Eine Hannoveraner Eventagentur hat mich für eine Modenschau
gebucht. Dafür nähe ich 40
Kleider", erzählt sie.
Eine
stressige Zeit, die auf sie zukommt. Doch die junge Modedesignerin ist es
nicht anders gewohnt.
Zwischen 2004 und 2008 absolvierte sie ihre Ausbildung an der privaten "Schule
für Mode und Design" in
Halle. "Ich bin jeden Morgen um 5 Uhr aufgestanden. Manchmal saßen wir um 21
Uhr noch immer
zusammen und haben geplant. In meiner Klasse waren wir anfangs 20 Mädels, dann
15, dann zehn. Zum
Schluss haben vier den Abschluss geschafft." Carolin Schmidt war eine von
ihnen. Für ihre
Abschlussarbeit musste sie acht Kleider entwerfen. Sie präsentierte 20. "Ich
wollte zeigen, dass ich mich
anstrenge."
Die
Mühe hat sich gelohnt. Sie schloss mit 1 ab. Danach hat sie sich bei Modefrmen
in Berlin und
Hannover beworben. "Die wollten jemanden mit zwei oder drei Jahren
Berufserfahrung. Das geht
natürlich nicht, wenn du gerade deine Ausbildung beendet hast. Naja, haben sie
Pech gehabt", sagt sie
selbstbewusst. Und fügt hinzu: "Eigentlich war es naheliegend, dass ich meine
eigene Firma gründe –
schließlich hatte ich viele Anfragen."
Carolin Schmidt zeigt auf ein Bild in ihrer Mappe. "Das Kleid habe ich für
einen Abiball genäht." Sie blättert
weiter. "Und das war für eine Jugendweihe. Ich habe auch die Outfits für die
Miss FC Magdeburg, die Miss
Wellness und eine Weinkönigin entworfen. Und eine Kollektion "Fashion gegen
Aids" gestaltet. Das waren alles
Auftragsarbeiten. Nur für mich selbst mache ich so gut wie nichts."
Einzige Ausnahme: ein rotes Cocktailkleid – elegant bekleidet es die
Modelpuppe, die in ihrem Büro steht. Ein
echter Hingucker. So auffällig ist die Kleidung der Magdeburgerin sonst nicht.
"Meistens trage ich
Schwarz. Pelze und echtes Leder verabscheue ich. Diese Materialien würde ich
nie verwenden."
Die
Vegetarierin ist leidenschaftliche Tierschützerin. "Man muss sich einmal
vorstellen, dass für einen
einzigen Pelz für irgendeine reiche Frau 20 Füchse sterben müssen", sagt sie
und fügt hinzu: "Bei diesen
Themen kann ich mich echt in Rage reden. Meine Freunde werfen mir ab und zu
vor, dass ich es
übertreibe." Sie lächelt. Vielleicht auch, weil ihr die Kritik egal ist. Sie
will ihren eigenen Weg gehen. Und
geht es nach ihr, führt der sie nicht aus Magdeburg weg. "Ich bin hier
geboren. Mein Freund will auch
in der Gegend bleiben. Was soll ich woanders?"
Auch eine eigene Boutique steht nicht auf ihrer Wunschliste. Ihre Ziele:
"Irgendwann will ich einmal nur von
meiner Mode leben und eine Schneiderin einstellen können."
Mit der Auszeichnung als Nachwuchsunternehmerin des Jahres ist sie einen
Schritt weiter. 1000 Euro hat sie
als Preis bekommen. "Mit dem Geld bezahle ich das Patent für mein eigenes
Labelzeichen. Das kostet 300
Euro, sagt sie. Außerdem erhält sie eine Existenzberatung. Der vielleicht
wichtigste Preis ist aber die
Aufmerksamkeit, die sie durch die Auszeichnung bekommt. "Die ist für ein
junges Unternehmen schließlich
unbezahlbar", ist sich Carolin Schmidt sicher.
Quelle: Volksstimme vom 21.03.2009, Autorin: Carolin Löffler
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