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20.02.2010: Jägerlatein in Magdeburg

 

Unter dem Titel "Reh-Notzeit: Jäger vermuten Stress-Tod der Tiere durch frei laufende Hunde" durfte sich die Magdeburger Jägerschaft auf der Titelseite des Lokalteils der Volksstimme über Hundehalter auslassen, die angeblich für Stress unter Rehen und deren Erschöpfung und letztlich ihren Tod verantwortlich seien:

 

"In Magdeburg kollabieren die Rehe offenbar reihenweise. Seit 1. Februar musste die Feuerwehr 15 verendete Rehe im Stadtgebiet entsorgen. Erst gestern hatte sich eines der durch den Winter stark geschwächten Tiere auf Futtersuche in einem Firmenzaun verfangen und musste befreit werden. Es wurde später in Rothensee wieder ausgesetzt. Jäger vermuten den Stress-Tod auch durch frei laufende Hunde.

Magdeburg. Anwohner haben gestern früh gegen 6 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Ein Reh hatte sich bei der Futtersuche an einem Tor zur Zufahrt eines Betriebsgeländes in der Ohrestraße durch einen 18 Zentimeter dicken Spalt zwängen wollen und blieb mit der Hüfte stecken. Einsatzleiter Jens Bindhack: "Das Reh kam in dieser Situation weder vor noch zurück und war schon stark geschwächt." Aus diesem Grund handelten die Feuerwehrmänner vorsichtig und behutsam, um dem Wildtier zusätzlichen Stress zu ersparen. Eine Decke über dem Kopf sollte dies unterstützen. "Wir haben dann das Tier in die Rückenlage gedreht und die Hinterläufe durch die Spalte gefädelt", erklärt der Feuerwehrmann. Der Tierrettungsdienst brachte das Reh in einer Box zum Tierheim. Dessen Leiter Andreas Reichert: "Dem Tier ging es gut, so dass wir uns entschlossen haben, das Reh so schnell wie möglich in Freiheit zu entlassen." Es wurde im Bereich Rothensee wieder ausgesetzt.

 

Die Überlebenschancen stehen nach dem harten Winter aber so niedrig wie nie. Gleich reihenweise kollabieren die Tiere aufgrund ihres geschwächten Zustandes. Seit Anfang Februar musste die Feuerwehr 15 tote Tiere entsorgen. Meist handelte es sich um so genanntes Fallwild, wie die ohne Unfall oder andere äußere Umstände zu Tode gekommenen Tiere genannt werden. Mit dem Reh gestern wurden nur drei Tiere in Garagenkomplexen, Gärten und anderen Anlagen lebend eingefangen und wieder in die Freiheit entlassen. Sechsmal wurde ein Jäger angefordert, der den Erlösungsschuss setzte.

 

Als Ursache macht der stellvertretende Vorsitzende der Magdeburger Kreisjägerschaft, Wilko Florstedt, vor allem den starken Erschöpfungszustand der Tiere nach der langen Frostperiode aus. Die Rehe, die bei der Witterung seit Dezember kaum noch Nahrung in ihren eigentlichen Aufenthaltsgebieten fanden, suchen nun vermehrt die Stadt als neue "Fundgrube" auf. Doch dort lauern Stress-Situationen, wie freilaufende Hunde. Diese müssen die Tiere nicht einmal reißen, sie töten die Rehe aber wegen des hohen Verbrauchs der Energiereserven dennoch. "Der Kreislauf des Rotwilds ist im Winter aus Gründen des Energiesparens sowieso heruntergesetzt. Wenn jetzt noch die Schwächung durch den Futtermangel dazukommt und ein frei laufender Hund die Tiere in eine akute Stresssituation versetzt, kommt es zum Kreislaufkollaps", vermutet der Jäger.

 

Er ruft aus diesem Grund alle Hundebesitzer auf, die Vierbeiner in dieser Notzeit für die Rehe auch am Stadtrand, wo zurzeit noch keine Leinenpflicht besteht, anzuleinen. "Vor allem, wenn absehbar ist, dass Rehwild in der Nähe ist", erklärt Wilko Florstedt. Leinenzwang gilt in der Stadt zwar generell, allerdings nur auf allen öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen. Am Feldrand oder dem Elbufer gilt zumindest bis 28. Februar zwar kein gesetzlicher Leinenzwang. Was aber nicht heißt, dass Hunde frei streunen dürfen. Denn generell gilt, dass Hundebesitzer dafür Sorge tragen müssen, dass durch ihr Tier keinem anderen Lebewesen Schaden zugefügt werden kann.

 

Die Überlebenschancen stehen nach dem harten Winter aber so niedrig wie nie. Gleich reihenweise kollabieren die Tiere aufgrund ihres geschwächten Zustandes. Seit Anfang Februar musste die Feuerwehr 15 tote Tiere entsorgen. Meist handelte es sich um sogenanntes Fallwild, wie die ohne Unfall oder andere äußere Umstände zu Tode gekommenen Tiere genannt werden. Mit dem Reh gestern wurden nur drei Tiere in Garagenkomplexen, Gärten und anderen Anlagen lebend eingefangen und wieder in die Freiheit entlassen. Sechsmal wurde ein Jäger angefordert, der den Erlösungsschuss setzte.

 

Magdeburgs Revierförster Jens Dedow erklärte, dass aufgrund der Witterungslage und des Schwächezustandes des Rehwildes auch alle jagdlichen Aktivitäten eingestellt wurden, die das Rehwild belasten könnten. Ein pauschales Fütterungsgebot gebe es aber nicht. Die Jagdpächter würden eigenverantwortlich handeln. Da der Revierbereich Magdeburg mit dem Biederitzer Busch und der Kreuzhorst meist aus Waldfläche besteht, habe es eine Fütterung noch nicht gegeben. "Betroffen sind vor allem Gebiete im Oberharz mit meterhohen Schneedecken oder ausgedehnte Ackerflächen, auf denen ein Eispanzer liegt", erklärt der Revierförster.

 

Auch Jens Dedow appelliert an die Hundehalter, ihre Vierbeiner auch am Feld- und Waldrand anzuleinen. "Leider ist das Verständnis dafür gering. Dabei ist es logisch, was passiert, wenn ein gut gefütterter Hund einem stark geschwächten Reh hinterherjagt", erklärt der Revierförster. Es müsse außerdem nicht einmal die böse Absicht des Hundebesitzers sein. Rehe hätten nach seinen Angaben einen sehr ausgeprägten Fluchtinstinkt und reagieren auch schon auf bloße Anwesenheit.

 

Allerdings: Den eigentlichen Grund für die Zunahme verendeter Rehe sehe der Revierförster nicht bei den frei laufenden Hunden. "Es ist vermutlich eine von vielen Ursachen. Hauptgrund ist aber die versiegte Nahrungsquelle, die durch den ungewöhnlich langen und harten Winter zur Entkräftung des Rotwildes geführt hat", erklärt er. Um eine qualifizierte Aussage treffen zu können, müsste man die Todesursachen im Einzelnen untersuchen.

 

Eine Entspannung der Lage ist in den nächsten Tagen  aber nicht nur durch das einsetzende Tauwetter in Sicht. Denn schon ab 1. März bis 15. Juli gilt nach dem Feld- und Forst-Ordnungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt überall ein genereller Leinenzwang. Ein Freilauf des Hundes in Magdeburg ist dann nur noch auf den Hundeauslaufwiesen oder dem eigenen Grundstück möglich.

 

Quelle: M. Fricke, Magdeburger Volksstimme vom 20.02.2010

 

 

Stellungnahme am 22.02.2010 von Bettina Fassl, Vorstandsmitglied unseres LV:

 

Nun brüskieren die Jäger auch Magdeburgs Hundehalter. Leider ist die Drangsalierung friedlicher Bürger an der Tagesordnung. Aus ganz Sachsen-Anhalt melden uns immer wieder in Angst versetzte Menschen, beim Waldspaziergang trotz mitunter angeleintem (!) Hund angefeindet und mit Abschuss des Hundes bedroht worden zu sein und selbst harmlose Pilzsammler werden von den Wegen gescheucht von Mitgliedern einer Trachtengruppe, die sich aufführen, als würde ihnen der Wald gehören. Wir leben in einer Stadt mit entsprechender Anzahl von Haustieren. Diese haben Bedürfnisse, die zur vernünftigen Haltung zu befriedigen sind. Hierzu zählt die Ermöglichung von Sozialkontakten, ausreichender Auslauf, die Möglichkeit zum Toben und Spielen. Das ist in Magdeburg nicht ohne weiteres möglich, die Anzahl der Auslaufwiesen ist gering, einige der Wiesen kaum zum Auslauf geeignet.

 

Im Gegensatz hierzu stehen die „Bedürfnisse“ von Jägern. Die Herren in Grün sehen sich nur allzu gern im Licht des Naturschützers, sind aber lediglich Naturnutzer. Allenfalls hegen sie die Tierarten, die als Beute für sie von Interesse sind. Da Deutschlands Jäger jährlich tonnenweise hochtoxisches Bleischrot verschießen, leisten sie wirklich einen phantastischen Beitrag zum Naturschutz, vielen Dank auch!

 

Vom 01.03. bis 15.07. darf man tatsächlich seinen Hund in Wäldern und auf Feldern nicht frei laufen lassen. Dies allein nehmen einige Jäger zum Anlass, ein Haustier abzuschießen - egal, ob es nach einer Maus stöbert, am Wegrand steht oder tatsächlich einem Reh nachläuft! Diese traurige Tatsache nennt sich dann Jagdschutz, obwohl sie tatsächlich nur erlaubt ist, wenn sich das Tier dem Einflussbereich des Halters entzieht und wirklich jagt. Viele erinnern sich noch an den feigen Anschlag in Ottersleben, wo ein Hund nur wenige Schritte neben seiner hochschwangeren Halterin herlief und heimtückisch angeschossen wurde (Volksstimme v. 10.05.2006) und sich der Täter ungestraft aus dem Staub machen wollte.

 

Im Kontrast dazu steht, dass die Jäger ihre Hunde auf das Töten abrichten und sie zur „Jagdausübung" überall frei laufen lassen dürfen. Das Tierschutzgesetz sagt eindeutig: "Es ist verboten, ein Tier auf ein anderes zu hetzen.“ Wie passt das aber damit zusammen, dass Jäger Enten flugunfähig machen, damit ihre Hunde lernen, Enten zu „apportieren“?? Wie passt das mit der brutalen Methode des „Abwürgenlassens“/“Katzenwürgens“ zusammen, die unbemerkt von der Öffentlichkeit jährlich tausendfach in den Revieren praktiziert wird, zu der der Jagdgebrauchshundverband e. V. sogar eine Prüfung anbietet?

 

Dass die Rehe vom Winter geschwächt sind, ist nachvollziehbar. Sie haben unter Nahrungsmangel und Kälte zu leiden. Zu leiden hatten auch die Menschen, die sich reihenweise Knochen brachen, Katzen, die frierend an den Futterstellen warteten, und Hunde, die bei – 20 ° wenig am Gassigehen interessiert waren. Hier einen Zusammenhang herzustellen und friedlichen Bürgern nachzusagen, ihre Hunde seien Schuld, wenn Rehe erschöpft sind, ist vermessen angesichts der Tatsache, dass jährlich einige Millionen Tiere in Deutschland von Jägern an- bzw. erschossen werden, darunter hunderttausende Hunde und Katzen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren und als willkommene Zielscheibe herhalten mussten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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