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11./16.03.2010: Diskussion zu Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen
Am 11.03.2010 äußerte sich Pfarrer Uwe Koch aus Magdeburg zur aktuellen Diskussion um die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen mit folgenden Worten:
"Die derzeitige Debatte um Missbrauchsfälle an katholischen Schulen hat meiner Meinung nach eine große Schieflage. Ich bin nicht katholisch und habe diese Schulen auch nicht zu verteidigen. Allerdings sind zwei meiner Söhne in den 90er Jahren auf ein katholisches Gymnasium in Magdeburg gegangen und haben dort keinerlei Missliches erlebt. Ich frage mich allerdings, warum die Medien zurzeit diese Debatte überhaupt so sehr auf dem Rücken der Kirchen austragen. Die kriminalpolizeiliche Statistik der Bundesländer besagt, dass knapp 90 Prozent aller Delikte von Kindesmissbrauch und -misshandlung im Elternhaus stattfinden. Hier sollte man präventiv und operativ nachschauen, wie geholfen werden kann. Nicht in den Klöstern, sondern da und dort werden die kleinen Seelen verbogen."
Quelle: Volksstimme vom 11.03.2010
Hierzu Bettina Fassl, Vorstandsmitglied des LV Sachsen-Anhalt:
Jeder Fall ist entsetzlich - egal, wo er stattfindet
"Mit Entsetzen habe ich die Zuschrift des Pfarrer Koch gelesen. Wie soll ich es verstehen, wenn er schreibt: „… dass knapp 90 Prozent aller Delikte von Kindesmissbrauch… im Elternhaus stattfinden. Hier sollte man … nachschauen, wie geholfen werden kann. Nicht in den Klöstern, sondern da und dort werden die kleinen Seelen verbogen.“ Makabrer geht es fast nicht. Teilt der Leser Kindesmissbrauch in „bedeutsam“ und „nicht bedeutsam“ ein?
Mich erinnert der Tenor der Zuschrift sehr an Vorwürfe im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit: Bin ich für ein Kinderhilfswerk unterwegs, bekomme ich schon mal an den Kopf geworfen, anderswo sei Hilfe für Behinderte oder Senioren nötiger. Bin ich für den Tierschutz im Einsatz, wird gemeckert, ich solle mich lieber um Kinder kümmern… Dies zumeist von Personen, denen man es ansieht, dass sie sich - mit dem Engagement Anderer konfrontiert – unwohl fühlen und die eigene Untätigkeit mit Beleidigungen überspielen wollen. Aber was soll das, Dinge gegeneinander aufwiegen zu wollen?
Was hat Pfarrer Koch veranlasst, den Kindesmissbrauch offenbar in Missbrauch 1. Klasse (Elternhaus) und Missbrauch 2. Klasse (kirchliche Einrichtungen) einzustufen? Ich weiß es nicht. Vielleicht nervt ihn, dass er in den letzten Tagen vermehrt auf die immer neuen Horrormeldungen angesprochen wird. Das rechtfertigt seine Ansicht nicht. Gerade von Vertretern der Kirche erwarte ich in diesen Tagen, dass sie sich von den Tätern distanzieren und nicht nur mit dem Finger auf höhere Missbrauchszahlen im Elternhaus verweisen. Jeder einzelne Fall ist für die Betroffenen entsetzlich, egal, wo er stattfindet!
Auch meine Tochter war – wie die Söhne des Pf. Koch - auf dem katholischen Gymnasium in Magdeburg, auch ich kann nur Positives über diese Jahre berichten. Es ist wohl aber eine Selbstverständlichkeit, dass junge Menschen nicht von Mitarbeitern kirchlicher Einrichtungen durch Missbrauch um ihre Kindheit gebracht werden!
Den Betroffenen hilft es mit Sicherheit nicht, würde die Presse der Ansicht des Pf. Koch folgen und die für ihn lästige Angelegenheit unter den Teppich kehren. Das hat man offen-sichtlich viel zu lange getan!"
Quelle: Volksstimme vom 16.03.2010 (leicht gekürzt)
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