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Pressemitteilung des Magdeburger Zoos zur Einstellung der Ermittlungen

 

(Originaltext; die Hervorhebungen wurden von uns vorgenommen)

 

"Magdeburg. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat nach langer intensiver Prüfung, dass von verschiedenen Verbänden und Privatpersonen beantragte Ermittlungsverfahren gegen den Zoodirektor, Dr. Kai Perret, und die handelnden Mitarbeiter eingestellt. Es wurden im Rahmen dieser Prüfung umfangreiche Recherchen angestellt und Stellungnahmen u. a. auch von Tierschutzverbänden eingeholt. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg sah – wie auch schon zuvor die Staatsanwaltschaft Leipzig in einem ähnlich gelagerten Fall – keinen Anlass zur Erhebung der öffentlichen Klage, weil den Handelnden ein strafrechtlicher Vorwurf nicht gemacht werden konnte. Es ging im Kern um die Frage, ob die Tötung von Hybridjungen, also nicht reinerbigen Tieren aus Gründen des Artenschutzes gerechtfertigt ist. Der Zoo Magdeburg ist von Anbeginn offensiv mit diesem Thema umgegangen. Alle Beteiligten haben die Entscheidung, mit diesem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen, gleichwohl getroffen, weil diese Entscheidung deutschen Zoos regelmäßig abverlangt wird und Klarheit über die strafrechtliche Einschätzung vonnöten war. Dazu hatte die Zooleitung mit dem Tierarzt, den Tierpflegern und allen Beteiligten eine Ethikkommission gebildet und die Informationen an den Aufsichtsratsvorsitzenden gegeben, bevor die schwere Entscheidung zur Einschläferung der Tigerjungen getroffen wurde. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat die Argumente der Zooleitung akzeptiert und festgestellt, dass ein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes für die Einschläferung sprach.

 

Dabei hat sie anerkannt, dass die Zoologischen Gärten und Tierparks nicht nur die Aufgabe der Zurschaustellung von „niedlichen Tieren“ haben, sondern eben auch die Aufgaben, die biologische Vielfalt zu bewahren und Arten vor dem Aussterben durch koordinierte Zucht zu retten. Damit ist die Arbeit der Zoos und Tiergärten insgesamt erleichtert und sind Handlungsspielräume eröffnet worden. Nicht nur der Zoo Magdeburg, sondern die Gemeinschaft der Zoos und Tiergärten in Deutschland ist erleichtert über die Entscheidung. Hier ging es wohl gemerkt um die Frage einer strafrechtlichen Relevanz; jeder Zoo wird für sich individuell und in jedem Einzelfall nun entscheiden, ob er eine entsprechende Einschläferung ethisch-moralisch und vor dem Angesicht des betroffenen Tieres vertreten kann. Diese Entscheidung wird – weiterhin – niemanden leicht fallen; diese Entscheidungen werden weiterhin mit dem hohen moralischen Anspruch der jeweiligen Entscheidungsträger zu treffen sein."

 

Anm: Nach diesem "Persilschein" ist zu befürchten, dass nun, da "Klarheit über die strafrechtliche Einschätzung"  vorliegt und "Handlungsspielräume eröffnet" worden sind, im Magdeburger Zoo auch weiterhin der Artenschutz vor dem einzelnen Leben steht und wir auch in naher Zukunft mit der Tötung unschuldiger Wesen konfrontiert werden. Jeder Zoo wird "individuell ... entscheiden, ob er eine entsprechende Einschläferung ethisch-moralisch ... vertreten kann." In Magdeburg kann man wohl...

 

Die Bürger/innen haben ihr Entsetzen klar zum Ausdruck gebracht. Ihnen war es völlig egal, ob ein entfernter Vorfahre der Babys kein sibirischer Tiger war - immerhin galt Tigervater Taskan selbst im Zoo als "reinerbig". Über die Alternative - Babys kastrieren und vorübergehend aus dem Zuchtprogramm aussteigen - hat man wohl nicht mal ansatzweise nachgedacht. Gehen vielleicht Forschungsgelder u. a. Zuschüsse verloren - spielt also das Geld eine zu große Rolle - dann kann man wohl "ethisch-moralisch" die Entscheidung treffen, drei Leben zu erhalten - man muss es aber wohl nicht. Zumindest nicht im Magdeburger Zoo.

 

Wieder mal ein trauriger Tag für den Tierschutz...

 

Bettina Fassl am 28.01.2009

 

 

Vertreter unseres Landesverbandes beteiligen sich derzeit an einer Erarbeitung eines Papiers zum Thema "Zoo". So eine Arbeit erledigt sich nicht über Nacht, es muss sorgfältig, realitätsnah und möglichst langfristig von Gültigkeit sein. Wir laden Sie ein, uns Ihre Gedanken mitzuteilen. Über jede sachliche Zuschrift freuen wir uns. Näheres dann bald im Pkt. "Zoo".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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