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21.12.2009: Tomate auf Siegeszug durch Speisekarten?

 

Rückschläge und Rückendeckung: Idee eines fleischlosen Tages spaltet die Bevölkerung / Initiative gibt mit neuem Logo die Richtung vor

 

Bericht von Jana Wiehe, Volksstimme Magdeburg

 

Eine Kochlöffel schwingende Tomate ist ihr neues Logo, in Kürze wird im Internet eine Seite in Deutsch und Englisch geschaltet und sogar überregionale Aufmerksamkeit ist den Magdeburger Tierschützern für ihre Initiative gewiss: Die Einführung eines Vegi-Tages (Tag der vegetarischen Ernährung) in Magdeburg liegt nicht mehr im Reich des Unmöglichen.
 

Magdeburg. Ein fleischloser Donnerstag in Magdeburg, ein Angebot des freiwilligen Verzichts auf Schnitzel und Wurst für einen Tag in der Woche – im Stadtrat wurde diese Idee zunächst zerredet und belächelt. Doch die Hartnäckigkeit der Tierschützer könnte sich am Ende auszahlen. Überregional erhalten die Initiatoren, darunter von der Tierschutzpartei Josef Fassl, Stadtrat Lothar Tietge und Günter Schuchart, inzwischen einige Rückendeckung. Die Zeit berichtete – wenn auch ohne Euphorie – über den bisher einmaligen Vorstoß einer deutschen Stadt, die dem Vorbild der belgischen Stadt Gent folgen möchte. In Gent verzichten die Bürger einmal pro Woche auf Fleisch und leisten damit einen Beitrag einen Beitrag zum Tier- und Klimaschutz.

 

Die Tierrechtsorganisation PETA appellierte an die Magdeburger Bevölkerung, dem Aufruf für einen Vegi-Tag zu folgen, und auch der Hamburger Verein Aktion Kirche und Tiere stellt sich hinter die Magdeburger Initiatoren. Die haben weiter getrommelt und sehen sich zusätzlich im Aufwind, nachdem das Parlament in den Niederlanden soeben die Einführung eines Vegi-Tages beschlossen hat.

 

Hier ist man politisch noch nicht so weit. Der Stadtrat hatte im Oktober den Antrag zunächst auf einen Beratungsmarathon in diverse Ausschüsse geschickt und damit die Einführung des Vegi-Tages verhindert. Zumindest fürs Erste. Doch die Aktivisten machen weiter. "Wir haben inzwischen zum Beispiel Kontakte zur IG Innenstadt, zum Hotel Maritim und sind da schon auf positives Echo gestoßen. In Kürze werden wir auch Schulen in privater Trägerschaft ansprechen und hoffen, dass sie mitmachen", sagt Josef Fassl.
 

Nachdem der Vegi-Tag – Antrag der Fraktion SPD-Tierschutzpartei-future vom Stadtrat im Oktober zunächst vertagt worden war, hatte es nicht sonderlich gut ausgesehen für die Initiative. Auch der Gesundheits- und Sozialausschuss sandte als Fachausschuss kein – aus Sicht der Initiative – erfreuliches Signal. "Der Antrag fiel mit deutlicher Mehrheit durch", sagte Ausschusschef Jens Ansorge (CDU) der Volksstimme. Nichts gegen eine solche Vegi-Tag-Idee, aber "da sollen ja auch Schulen und andere Einrichtungen mitmachen. Unter dem rein gesundheitlichen Aspekt hielten wir das Vorhaben für nicht empfehlenswert", erklärte Ansorge.
 

Ganz anders der Jugendhilfeausschuss. Er entschied mit klarer Mehrheit für die Einführung eines solchen Aktionstages. Allerdings in modifizierter Form. "Wir haben den Gesichtspunkt gesunde Ernährung deutlich gestärkt", sagte Sven Nordmann, SPD-Stadtrat und Vorsitzender des Ausschusses. Befürwortet wurde ein Aktionstag, der die besonders gesunde, ausgewogene Ernährung in den Mittelpunkt stellt. Neben dem vegetarischen Ernährungsgedanken. Nach Änderungsanträgen lautet der Titel nunmehr "Tag der gesunden Ernährung – Vegi-Tag". "Ich würde mir wünschen, dass es dafür letztlich eine Ratsmehrheit gibt", so Nordmann.
 

Die Verwaltung hat sich auf den Fall eines solchen Ratsvotums schon eingestellt. Sie werde, so schreibt der Beigeordnete Hans-Werner Brüning in einer Stellungnahme, "den Stadtrat für den Fall unterstützen, dass er den Aufruf an die Magdeburger Bevölkerung beschließt".
 

Möglichst viele Partner, zum Beispiel IHK, Schulversorger oder der deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA, müssten dann mit ins Boot geholt werden.
 

Doch erst einmal soll der Stadtrat in der Sache entscheiden. Im Januar, spätestens Februar soll das der Fall sein. Erst dann wird klar sein, ob die lachende Tomate wirklich einen Siegeszug durch Magdeburger Speisekarten antreten kann.
 

Quelle: Volksstimme Magdeburg vom 21.12.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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