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Streit ums Schönebecker Tierheim

 

Im Jahr 2008 wandten sich Bürger/innen aus Schönebeck an unser Mitglied Andreas Döring. Eine Mitarbeiterin des Tierheims, Anja Kögler, konnte es mit ihrem Gewissen nicht mehr in Einklang bringen, weiter zu schweigen. Sie setzte aufs Spiel, ihre Ausbildung nicht zu Ende absolvieren zu können, doch das Leid, dass die Tiere erfahren mussten, hatten bei ihr Vorrang vor persönlichen Interessen. Diverse Vorwürfe, die hier nicht im Detail erläutert werden, von etwa einem Dutzend Schönebecker Bürger/innen, die mit dem Umgang der Tierheimleitung mit Besuchern und Tieren nicht mehr einverstanden waren, versetzten die Stadt in Aufruhr. 

 

Einer der Höhepunkte war, dass unser Mitglied Alexandra Vehse die Bevölkerung mit Hilfe der Bild-Zeitung über den vermeidbar gewesenen Tod eines verletzten Schwans informierte. Auf Anweisung von Tierarzt und Tierheimleitung wurde er allein und fast bewegungslos - er konnte sich aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung lediglich in Bedrängnis etwas "wegrobben" - ausgesetzt. Noch am 08.03.2008 fand Frau Vehse das Tier ängstlich fauchend immer noch an der gleichen Stelle sitzend vor. Sie informierte die Tierheimleitung und drängte, dass das Tier dort nicht bleiben kann und man es in Sicherheit bringen möge. Sie wurde zynisch gefragt, ob man einen Schwan essen kann. Daraufhin nahm Frau Vehse Kontakt zur Tierklinik in Magdeburg auf und sollte das Tier am nächsten Tag in die Notsprechstunde bringen. Dazu kam es nicht mehr: Sie fand es (vermutlich von einem Fuchs) zerrissen vor. Gegenüber dem eingeschalteten Veterinäramt und der Bildzeitung erklärte der Vertragstierarzt, das Aussetzen sei eine "physiotherapeutische Maßnahme" gewesen. Diese "Maßnahme" hat dem Tier das Leben gekostet...

 

Die Schönebecker Bürger/innen suchten wochenlang das Gespräch, Vereinsmitglieder wollten eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Die Menschen wurde mit teilweise perfiden Bemerkungen abgewimmelt. Hilfesuchend schalteten sie den Dachverband des Vereins ein. Von dort kam nur eine Blabla-Reaktion.  

 

In einem Hau-Ruck-Verfahren wurde aus dem Verein ausgeschlossen, wer sich mit der Situation nicht zufrieden geben konnte oder wollte und es wagte, Kritik zu üben. Zumindest Andreas Döring ging dagegen gerichtlich vor und erkämpfte sich in einem Eilverfahren die Mitgliedschaft zurück. Man schreckte nicht einmal davor zurück, in der Presse persönliche Daten, die zwischen Arbeitgeber (Verein) und ehemaliger Auszubildenden (Frau Kögler) vertraulich zu behandeln sind, preiszugeben bzw. zu verdrehen. Ein skandalöser Vorgang, der seinesgleichen sucht!   

 

Auch die Schönebecker Volksstimme berichtete nun ausführlich über den Streit. Resultat: Die Bevölkerung forderte Aufklärung. Diese fand in einer Veranstaltung am 26.07.2008 im "Haus der Vereine" statt. Da sich der Dachverband ungeprüft parteiisch verhielt, bat man den Ehrenvorsitzenden unseres Landesverbandes, Vorstandsmitglied Peter Barczik, die Versammlung zu leiten. Er sorgte dafür, dass die von Andreas Döring, Alexandra Vehse, Anja Kögler und der anderen Tierschützer vorbereiteten und durch Zeugen bestätigten Aussagen störungsfrei vortragen konnten und die anschließende Diskussion trotz hochkochender Emotionen in sachlicher Form erfolgte. Der Vertragstierarzt, gegen den sich die Vorwürfe richteten, war anwesend und versuchte, seine Sicht der Dinge darzulegen, was ihm selbstverständlich zugestanden wurde. Die Heimleiterin fehlte, die Vereinsvorsitzende Kerstin Kauert ließ sich durch ihren Ehemann vertreten.

 

  Fotos: Bettina Fassl

 

Inzwischen sind einige Monate vergangen. Die Anzeigenerstatter hatten nun Einsicht in die Ermittlungsakte und stellten fest, dass auch die Staatsanwaltschaft v. a. hinsichtlich des Schwans eine grobe Fehleinschätzung der Lage seitens des Tierarztes sieht. Es wurde eine Gutachterin eingeschaltet, die ebenso Zweifel an einigen Handlungsweisen des Tierarztes hatte. Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass der Vorwurf, dem Schwan länger anhaltende Leiden und Schmerzen i. S. d. § 17 TierSchG zugefügt zu haben, tatsächlich erfüllt ist. Ihm wurde zugute gehalten, dass er keine Vorbelastungen und im Rahmen der Vernehmung am 28.04.2009 seine Schuld mittlerweile auch eingesehen hat.

 

Der Ausschuss für Berufsrecht der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt hat schon im Dezember 2008 den Tierarzt ermahnt, die von ihm selbst geschilderte Praxis - auf die hier nicht näher eingegangen werden soll - ab sofort zu unterlassen. Er mahnte dringend die strikte Einhaltung der Berufspflichten, insbesondere der Sorgfaltspflichten, an und kündigte für den Wiederholungsfall Sanktionen entsprechend dem Gesetz über die Kammern für Heilberufe Sachsen-Anhalt an.

 

Bleibt den Tieren und auch den Menschen, die sich um deren Wohlergehen sorgen, zu wünschen, dass die beteiligten Verantwortlichen im Verein und im Tierheim und auch der Tierarzt aus den Geschehnissen ihre Lehren ziehen und künftig verantwortungsvoller mit den Schützlingen und auch mit aufmerksamen Menschen, die nur das Wohl der Tiere im Sinne hatten, umgehen. 

 

Ironie des Schicksals: Ausgerechnet ein Magdeburger Tierschutzverein, der sich noch in Schönebeck für den Bruderverein (aus demselben Dachverband) einsetzte, indem er u. a. auf eine ehemals verliehene "Goldene Nadel" verwies (????), profitiert von der Einstellung des Verfahrens, da der Tierarzt einen Geldbetrag in Höhe von 250,- € als Auflage an eben diesen Verein zu zahlen hat...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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