.

 

30.09.2007: Großaufgebot an Tierschützern, Politikern und Fernsehteams beim Tiergottesdienst

Die Welt ist nicht nur für die Menschen da…

… mit diesen Worten begann Pfarrer Peter Gümpel seine Predigt anlässlich des diesjährigen

Erntedankgottesdienstes in der kleinen Gemeinde Cobbel in Sachsen-Anhalt.

 

Man sollte denken, dass dieser Satz für die christlichen Kirchen eine Selbstverständlichkeit ausdrückt.

Schließlich lehrt man doch, dass Gott die Tiere wie den Menschen geschaffen hat. Dann können wir doch

davon ausgehen, dass er will, dass die Menschen seine Schöpfung gut behandeln. Jesus wird oft als der

gute Hirte dargestellt. Das Wort „Pfarrer“ bedeutet nichts anderes als „Hirte“.

 

Diese Verbundenheit mit der Natur, die Ehrfurcht vor der Schöpfung ist allerdings einer Mentalität der

selbstgefälligen Selbstbedienung im Schöpfungsladen gewichen. Seine Intelligenz nutzt der Mensch nicht,

um Verantwortung für die Natur und die Tiere zu tragen, sondern um sie immer weitgehender auszubeuten.

Das Weltbild der Kirche wurde immer weiter antroprozentrisch - der Mensch sieht sich über der Natur und

den Tieren stehend. Der Kernsatz der Ethik, dass man anderen nicht etwas antun soll, was man nicht

selbst erleiden will, gilt nicht für Tiere, obwohl diese, wie wir doch alle wissen, Freude und Schmerz

empfinden. Es fehlt eine moralische Wendung. Die Bibel könnte eine Quelle hierfür sein und über sie könnte

man zumindest die Christen, die einen nicht unerheblichen Bevölkerungsteil in unserem Land darstellen,

für den Schutz unser Mitlebewesen interessieren. Die Kirchen verharren jedoch – wie gewohnt – in ihren

althergebrachten Traditionen und verschlafen wieder einmal den Zug der Zeit.

 

Die Bürgerinitiative in Cobbel wandte sich auch an den katholischen Bischof Feige in der Landeshauptstadt

Sachsen-Anhalt, in Magdeburg. Tatsächlich folgte auch eine Einladung des Geschäftsführers des Ordinariats.

Den Termin nahmen unser Mitglied Josef Fassl und Tilmann Keller aus Cobbel wahr. Bei dem Gespräch wurde

die Situation in Cobbel, aber auch in den anderen betroffenen Gebieten, dargestellt und auf das Leid der

Tiere hingewiesen. Man hörte freundlich zu. Das war es dann aber auch. Eine Reaktion steht bis heute aus.  

 

Ein Lichtblick dagegen gibt es in der kleinen Gemeinde Cobbel. Auf dem Gelände der IG Pferdeschutz unserer

Parteifreundin Angela Jackowski wird regelmäßig im Herbst der Erntedankgottesdienst zu einem

Tiergottesdienst. Einträchtig sitzen Jahr um Jahr Hund und Mensch friedlich zusammen, umgeben von den

Pferden, von denen einige auf dem Gelände ihr Gnadenbrot erhalten, und jedes Mal beteiligen sich ein paar

Leute mehr.  

 

Das spricht sich wohl herum, denn der diesjährige Gottesdienst am 30. September hatte dann neben den

regelmäßigen Unterstützern wie unserem Landesverband, dem „Bündnis für Tiere e. V.“, den Bürgerinitiativen

aus Allstedt, Weißenfels etc. unter anderem auch Besuch durch die Bundestagsabgeordnete der Grünen,

Undine Kurth, dem BUND und diversen Fernsehteams. Gut so, denn das Anliegen darf nicht im Verborgenen

bleiben, es muss hinaus geschrieen und öffentlich gemacht werden. Je mehr, umso besser, denn leider gab

es auch in diesem Jahr wieder die üblichen Gardinengucker…  

 

Nach der Wanderung zum geplanten Ort des Grauens, an dem der holländische Investor van Gannip eine

Mastanlage für über 90.000 Schweine erbauen will, kam dann die Zeit des Pfarrer Gümpel. Er hatte sich weiter

mit den tierquälerischen Zuständen beschäftigt, gegen die Tierschützer fast ohnmächtig ankämpfen. In

diesem Jahr sprach er von Tiertransporten, prangerte an, dass teils nicht einmal die ganz, ganz kleinen

Verbesserungen für die zum Transport bestimmten Tiere eingehalten werden, sprach von der Arbeit der

Animals Angels und vergaß auch nicht Kritik zu üben an Jenen, die sich keine Gedanken über die Lebenswelt

der Tiere machen, die sie letztendlich möglichst billig und möglichst tot auf ihrem Teller liegen sehen wollen.

„Wir dürfen die Augen nicht vor dem Leid der Tiere verschließen, Tiere haben eine Seele und Gefühle.“

So bestärkte er die Gegner der Schweinemastanlage, ihren Weg weiterzugehen. „Gerade das Verborgene

muss interessieren und darf uns nicht in Ruhe lassen.“

 

Auch wenn es wütend macht zu sehen, wie viele Menschen sich in unserem Bundesland gegen die Mastanlagen

zur Wehr setzen und wie schwierig und langwierig doch der Kampf ist, der die Menschen ermüden und

verzweifeln lässt, so hoffnungsvoll ist doch die Tatsache, dass hier in dieser kleinen Gemeinde ein Pfarrer

an der Aufgabe wächst, die ihm gestellt wurde, weil sein Weg ihn an die Seite dieser Menschen hier geführt

hat und der doch Stück für Stück auch ein Pfarrer für die Tiere wird, weil er sich mit den Problemen

auseinandersetzt, der hinhört, recherchiert und sich durch die für ihn neuen Einblicke zum Sprachrohr

entwickelt für die Wesen, die sonst Menschen ausgeliefert werden, denen so ein tierisches Leben völlig egal

ist, solange nur die Brieftasche gut gefüllt ist. Jeder, der Jahr um Jahr an den Erntedankgottesdiensten

teilnimmt, konnte feststellen, dass sich hier ein Pfarrer vom Mahner gegen Luftverschmutzung und

sinkender Lebensqualität (für Menschen) - natürlich auch allesamt wichtige Themen - immer mehr zu einem

Kämpfer für den Tierschutz entwickelt.

 

Könnten wir doch nur alle von solchen Pfarrern berichten!     

 

 

Bettina Fassl, konfessionslos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Zeitenwende

 Zeitenwende -

 Die Zeitschrift für

 Mitglieder

___________________

 

 Lothar Tietge      Lothar Tietge, Stadt-

 rat in Magdeburg

___________________

 

    

  Magdeburg  is(s)t

  vegetarisch   

_________________