| 26.01.2012: Das älteste Ratsmitglied hat das Parteibuch gewechselt |
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"Die sperrige Aufzählung SPD-Tierschutzpartei-future!, bisheriger Name der größten Stadtratsfraktion, ist passé und auf SPD-future! gekürzt. Grund: Das an Lebensjahren älteste Mitglied des Stadtrates, der 77-jährige Lothar Tietge, hat der Tierschutzpartei den Rücken gekehrt und seit Wochenbeginn ein neues Parteibuch in der Tasche, das der SPD. Die Tierschutzpartei schäumt vor Wut und spricht von "Wählerbetrug".
Tietge war zur letzten Kommunalwahl 2009 als einzigem Mitglied der Tierschutzpartei der Sprung in den Stadtrat gelungen. Damals 74 Jahre alt durfte Ratsneuling Tietge die Eröffnungsrede als Ratsältester halten. Er nutzte die Gunst der Stunde für eine Standpauke und kritisierte das eingeschränkte Rederecht von Magdeburgern in der Bürgerfragestunde. Sonderlich viel machte Tietge in der Folge von seinem uneingeschränkten Rederecht als Stadtrat nicht Gebrauch.
Vielmehr assimilierte er mit der SPD, unter deren Dach sich der Tierschutzeinzelkämpfer gemeinsam mit den beiden future!-Stadträten bereits zur konstituierenden Ratssitzung 2009 begeben hatte. Die Assimilation ist nun abgeschlossen - samt Parteibuchwechsel. Der Vorgang erinnert an einen ähnlichen Fall 2006. Damals hieß die einzige Tierschutz-Abgeordnete im Rat Birgit Kriese. Sie war 2004 als Parteilose unter der Flagge der Tierschutzpartei in den Stadtrat eingezogen, gab zwei Jahre später ihren Bruch mit der Partei bekannt und schloss sich dem Bund für Magdeburg an.
Wie dazumal über Kriese gießt der Landesverband der Tierschutzpartei aktuell über Tietge Schimpf und Schande aus. Landesvorsitzender Josef Fassl verbreitet in einer Pressemitteilung: Er, Tietge, habe Anträge "verschleppt" (Katzenschutzverordnung), Anfragen (zur Grundstückssuche für einen Tierheimneubau) im Stadtrat verweigert, Bürgersprechstunden versäumt und über seine Aktivitäten im Stadtrat nicht berichtet.
Tietge sagt auf Nachfrage: "Ich möchte mich an keiner Schlammschlacht beteiligen." Die Gründe für seinen Parteiaustritt lägen "eher auf persönlicher Ebene", wohingegen er sich dem Tierschutz weiter verpflichtet fühle. Eine inhaltliche Differenz, die dereinst schon Kriese und nun auch Tietge mit den Reihen der Tierschutzpartei auszutragen hatten, ist der Tierheimneubau. Während die Partei unnachgiebig an ihrer Forderung festhält, schwenkten ihre jeweiligen Ratsabgeordneten - in Einsicht in die städtische Haushaltslage und in die Mehrheitsverhältnisse im Rat - auf die Verbesserung der Bedingungen im bestehenden Heim um. Tietge hält das Heim, wie es jetzt funktioniert, für annehmbar. Die Tierschutzpartei nicht. Der Zwist - seitens des Parteivorstandes in zweifelhaften Serienbriefaktionen (auf diese Beschreibung trifft nur ein Schreiben zu, das der Generalsekretärin M. Giese aus Wolfenbüttel im Dez. 2011, die Webred.) an alle Mitglieder ausgetragen - hat nun das zweite Parteimitglied aus den eigenen Reihen getrieben. Wie 2004 schon Kriese ist heute auch Tietge nicht bereit, seinen Ratsstuhl zu räumen. Die Tierschutzpartei zürnt: "Wie Herrn Tietge bekannt ist, sind von den 4926 Wählerstimmen für unsere Partei auf ihn gerade einmal 672 entfallen. (...) Wir fordern Lothar Tietge daher auf, unverzüglich das Mandat an einen Nachrücker aus unserer Partei zu übertragen, da er anderenfalls Wählerbetrug an zumindest 4254 Menschen begeht!" Tietge denkt gar nicht daran und steht rechtlich auf sicherer Seite. Ist ein Abgeordneter erst einmal gewählt, steht es ihm frei, die politische Farbe zu wechseln. Tietge hat sich für das Rot der SPD entschieden und musste nach eigenem Bekenntnis nicht dazu überredet werden: "Ich habe mich in der Fraktion vom ersten Tag an gut aufgehoben gefühlt."
Die Sozialdemokraten wird's freuen. Mit 14 gewählt, vereint ihr Ratslager nun 15 Männer und Frauen; Linke und CDU folgen mit jeweils 13 Abgeordneten." Quelle: Volksstimme Magdeburg vom 26.01.2012
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