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Meilensteine

 

Im Mai 2009 beschloss die belgische Stadt Gent als erste, einen offiziellen fleischlosen Wochentag einzuführen und erregte damit weltweites Aufsehen. Auch viele Magdeburger fanden die Idee toll, zum Nutzen des Klimas, der Gesundheit und nicht zuletzt der verschonten Tiere einmal wöchentlich freiwillig auf Fleisch zu verzichten.

 

Am 07. Juni 2009 erzielte die Partei Mensch Umwelt Tierschutz – Die Tierschutzpartei bei der Kommunalwahl in Magdeburg mit 2,5 % der abgegebenen Stimmen und ein Mandat im Stadtrat der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Mehrere Parteien zeigten Interesse an einer gemeinsamen Fraktion. Mit allen wurden Gespräche geführt. Eine der Bedingungen für die gemeinsame Arbeit in den fünf Jahren der Legislaturperiode war die Unterstützung bei der Beantragung des „Vegi-Tags“, denn als Einzelkämpfer kann man wenig bewirken. Diese Unterstützung wurde seitens der SPD-Räte zugesagt und so auch im Fraktionsvertrag vom 15.06.2009 festgeschrieben. Mit der größten Fraktion der Landeshauptstadt im Rücken war die erste Hürde genommen. Am 21.09.2009 wurde in der Fraktionssitzung gemeinschaftlich beschlossen, den Antrag im Oktober im Stadtrat einzubringen.

 

Am 23.09.20009 informierte die Tageszeitung „Volksstimme“ unter der Überschrift „Fleischlos in Magdeburg erstmals über die Idee des fleischlosen Donnerstags. Es folgten viele positive Reaktionen aus ganz Deutschland.

 

Zum Weltvegetariertag am 01. Oktober 2009 berichteten unter anderem TV-Sender wie RTL und MDR in ihren Nachrichten über die geplante Einführung eines vegetarischen Wochentags in Magdeburg.

 

Aber auch ein Echo der Fleischerinnung, die utopischerweise einen immensen Einbruch ihrer Umsätze befürchtete, blieb nicht aus. Man solle doch, so der verzweifelte Appell an die Stadträte, an die ca. 200 Beschäftigten des Fleischerhandwerks denken. „Ich befürchte, dass eine Werbung für einen Vegi-Tag für uns Fachgeschäfte eine sehr negative Wirkung haben kann", schrieb Dirk Cuno, Geschäftsführer Magdeburger Fleisch- und Wurstwaren GmbH Delikata.

 

Am 08. Oktober 2009 stellte Stadtrat Lothar Tietge für die Fraktion SPD-Tierschutzpartei-future! den Antrag auf Einführung des „Vegi-Tags“ in Magdeburg. Inzwischen hatte sich auch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen dem Antrag angeschlossen.

 

Die FDP-Ratsfraktion stellte einen Änderungsantrag dahingehend, dass ein „Tag der bewussten Ernährung“ unter Einbeziehung „Lebensmittel verarbeitender Bereiche in Industrie, Handwerk…“ (Fleischer! Schlachthöfe!) und „Forschungseinrichtungen“ (?) eingeführt würde. Damit aber würde der Sinn der Aktion ins Gegenteil gekehrt und ignoriert, dass Tierschutz nicht nur Hund und Katze betrifft. Es ging bei diesem Änderungsantrag, der auch beinhaltete, dass er in fünf (!) Ausschüssen beraten werden sollte – darunter völlig unverständlich sogar der Jugendhilfe- und der Rechtsausschuss! - nicht um eine echte Alternative, sondern um Blockade des „Vegi-Tags“. Stadtrat Klaus Kutschmann (BfM) brachte es mit seinen Worten, man könne eine Sache auch zerreden, auf den Punkt. Und genau das wollten die Vegi-Gegner erreichen: Nach Durchlaufen diverser Ausschüsse sollte irgendwann eine Pseudo-Gesundheits-Aktion unter Einbeziehung von „gesundem Fleisch“ herauskommen, man wollte sich stolz auf die Brust klopfen, weil man einen Tag pro Woche „Bio-Fleisch“ isst. Den Sinn des „Vegi-Tags“ konnten oder wollten trotz aller Aufklärungsversuche einige wohl nicht verstehen.

 

Trotzdem zählt auch dieser Tag zu den Meilensteinen der Initiative, denn positiv war dann doch, dass fast die Hälfte der Stadträte gegen den FDP-Antrag stimmte. Das war ein halbes Jahr zuvor noch undenkbar und zeigte doch, dass die gewählten Volksvertreter Partei übergreifend durchaus offen für neue Ideen sein können, wenn sie ihnen vernünftig darlegt werden und auf offene Ohren und guten Willen treffen.

 

In den folgenden Monaten drohte der „Vegi-Tag“ in diversen Ausschuss-Sitzungen wirklich zerredet zu werden. Im Dezember dann berichtete „Die Zeit“ dann über die mittlerweile europaweiten Bemühungen eines fleischfreien Wochentags und über die leidige Situation in Magdeburg.

 

Der Durchbruch kam mit der Entscheidung im Jugendhilfe-Ausschuss am 17.12.2009. Unter dem Vorsitz von Sven Nordmann, Stadtrat der Fraktion SPD-Tierschutzpartei-future!, einigte man sich mit 12:3 Stimmen auf die Einführung eines „Tags der gesunden Ernährung – Vegi-Tag“ – der Name ist ein formales Zugeständnis an die Linke-Fraktion, die nun mit „im Boot“ sind. Die drei Vertreter der FDP und CDU entschieden weiterhin dagegen.

 

Am 25.02.2010 sollte erneut im Stadtrat Magdeburg über den Antrag abgestimmt werden. Zwischenzeitlich wurde festgestellt, dass der Antrag zwar im November 2009 im Ausschuss für kommunale Rechts- und Bürgerangelegenheiten auf der Tagesordnung stand, dort jedoch vertagt wurde. Seither hatte sich nichts getan, so dass sich die Abstimmung weiter verzögert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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