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Gegen den Strom - Zirkus Probst setzt auf neue Tierdressuren

 

Unter dem Titel "Zirkus Probst geht am 18. März zum 65. Mal auf große Tournee - Magdeburger Zirkusfreunde besichtigen Winterquartier" schreibt die Staßfurter Volksstimme am 22.02.2010:

 

"Knapp vier Wochen vor dem Start in die neue Saison informierten sich am Sonnabend rund 30 kleine und große Zirkusfreunde aus Magdeburg und Umgebung im Winterquartier von Zirkus Probst in Staßfurt. Dort laufen die Vorbereitungen für das neue Programm auf Hochtouren.

Staßfurt. Es steht in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Stern, denn Zirkus Probst, der sich selbst als Nummer eins in Ostdeutschland bezeichnet, kann 2010 sein 65-jähriges Bestehen feiern. Der Startschuss fällt am 18. März in der Kreisstadt Bernburg und damit eine Woche später als ursprünglich geplant, denn auch dem Zirkus haben die Witterungsverhältnisse schwer zu schaffen gemacht.

 

"Wir gastieren in der neuen Saison in zirka 60 Städten, davon zu 95 Prozent in Ostdeutschland", sagte Pressesprecher Patrick Adolph. Zu den Spielorten in Sachsen-Anhalt gehören unter anderem Lutherstadt Eisleben, Quedlinburg und Wernigerode und Ende November beziehungsweise Anfang Dezember vor dem Gang ins heimische Winterquartier auch wieder Staßfurt. Im vergangenen Jahr habe man das Gastspiel in der Heimatstadt mal ausfallen lassen wollen. Doch diese Pläne habe man dann wegen des großen Zuspruchs und der Enttäuschung der Staßfurter wieder aufgegeben, sagte Adolph.

 

Mit auf die große Tour gehen rund 80 Personen, davon 35 Artisten. "Die Zirkusfreunde können sich in diesem Jahr besonders auf neue Tierdressuren freuen", sagte Adolph und nannte zum Beispiel bei den Pferden das geplante Westernbild mit Cowboys und Indianern. Dompteur Rüdiger Probst, der sich auf Tigerdressuren spezialisiert hat, wird drei Jungtiere einarbeiten. Er ist schon ganz gespannt, wie die sich sie mit den 14 Jahre alten "Rentnern" vertragen werden, wenn sie sich das erste Mal in der Probemanege im Staßfurter Winterquartier begegnen werden. Adolph: "Aber auch Alexandra Probst hat einige neue Sachen in petto." Und dann wird auch noch ein italienischer Clown dabei sein.

 

Grund genug, mal wieder selbst Zirkusluft zu schnuppern. Telefonisch kann man die Karten für das Gastspiel in Bernburg schon jetzt bestellen, sagte Adolph. Ein bis zwei Tage vor den Vorstellungen könnten die Tickets dann auch direkt in der Kreisstadt gekauft werden. Zuvor wurde im Winterquartier, was die Technik und die Wagen anbelangt, einiges erneuert und aufbereitet. "Auch ein neuer Kassenwagen und eine neue Werkstatt werden kommen", sagte Adolph.

 

Die Zirkusfreunde aus Magdeburg, die in der Landeshauptstadt ein Zirkusmuseum betreiben, sahen sich am Sonnabend im Winterquartier alles mit großem Interesse an. Sie interessierten sich dabei nicht nur für die zahlreichen Tiere, die sie teilweise sogar mit Namen kannten, sondern auch für den umfangreichen Fuhrpark, ohne den Zirkus Probst nicht auf Reisen gehen könnte. Höhepunkt war für viele die Besichtigung der Stallanlage, in der sich die jungen und alten sibirischen Tiger befinden. Und die waren alles andere als zahm und folgsam wie man sie aus der Manege kennt...
 

Besonders die Kinder waren von den sauberen und gepflegten Tieren ganz begeistert. "Mir haben besonders die Tiger – die Zebras und die Ochsen mit ihren großen Hörnern gefallen ", sagte Heiko Gertz, der mit seinen Eltern und seiner Schwester eigens aus Wolsdorf bei Helmstedt (Niedersachsen) nach Staßfurt gekommen war. ... Die Dressur erweist sich derzeit als schwierig, erklärte Rüdiger Probst, denn durch eine Wand in der Proben-Arena fühlen sich die Tiere eingeengt, weil sie ihr gesamtes Umfeld nicht überblicken können. Darüber hinaus erfuhren die Zirkusfreunde vom Fachmann.

 

(Heiko) kann sich durchaus vorstellen, später selbst einmal im Zirkus zu arbeiten. "Dann aber am liebst als Tierpfleger", sagte er der Staßfurter Volksstimme. "Wir haben selbst viele Tiere zu Hause" verriet Heikos Mutti Iris Gertz. "Mein Mann Arnold ist ein großer Zirkusfreund. Deshalb fahren wir viel zu den Zirkussen. Bei Probst in Staßfurt hat es mir wie immer ganz gut gefallen. Für mich ist dieser ganze Zirkus interessant. Deshalb sind wir immer wieder gern in Staßfurt", sagte Iris Gertz.

 

Quelle: René Kiel, Volksstimme, Ausgabe Staßfurt, am 22.02.2010,


In einer Stellungnahme vom selben Tag meint hierzu Bettina Fassl, Vorstandsmitglied unseres LV

Dressierte Zirkustiere gelten immer noch als "Attraktion“, Kritiker als Spielverderber. Doch immer mehr Menschen erkennen, dass Dressurnummern nicht mehr dem heutigen Verständnis von Tieren entsprechen. In Österreich ist die Haltung von Wildtieren im Zirkus seit 2005 per Gesetz verboten. Brasilien, Dänemark, Finnland und Schweden haben längst Haltungsverbote für bestimmte Tierarten wie Elefanten und Großkatzen beschlossen. Viele Städte und Gemeinden (u. a. in Belgien, Kanada, Italien) verweigern solchen Unternehmen den Auftritt auf öffentlichem Grund. In Deutschland dagegen wird lediglich „empfohlen“, einige Tierarten nicht in Zirkussen zu halten. Dabei gibt es aus ethischer Sicht keine Rechtfertigung, Wildtiere zum Zweck des Gelderwerbs gefangen zu halten, zu dressieren und zum Vergnügen in der Manege vorzuführen. Der moderne Zirkus kommt ohne Versklavung von Wildtieren aus.

 

Der Europäische Zirkusverband scheiterte 2009 zum zweiten Mal, vor der EU-Kommission das österreichische Wildtierverbot anzugreifen. Bevor sich nun die deutsche Regierung zu diesem überfälligen Schritt entschließt, bastelt man derzeit in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin am Verbot auf öffentlichem Grund. Hier hat man längst erkannt, dass sich breite Massen der Bevölkerung nicht mehr daran erfreuen, wenn Tiger sinnlos durch brennende Reifen springen.

 

Vor einigen Tagen trafen sich Magdeburger Bürger mit dem Stadtrat der Fraktion SPD-Tierschutzpartei-future! – Lothar Tietge – um zum Thema „Wildtierhaltung in Zirkussen“ zu diskutieren. Ergebnis dieser Veranstaltung war der direkte Auftrag an Stadtrat Tietge, einen Antrag zum Auftrittsverbot von Zirkussen mit Wildtieren auf öffentlichen Flächen der Landeshauptstadt zu erarbeiten, wie es bereits in Kassel existiert und in München, Berlin und Trier derzeit geprüft wird.

 

Der Zirkus Probst täte gut daran, schon jetzt die Weichen dahingehend zu stellen, seine Existenz für die Zeit ab dem Verbot auf mehr Akrobatik zu verlagern, statt auf immer neue Tierdressuren zu setzen. Namhafte Unternehmen wie der Circ du Soleil machen es erfolgreich vor und sind Garant dafür, dass den Menschen künftig der Zirkus-Besuch wieder Freude bereitet, ohne dass Tiere leiden müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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