"Ab morgen gastiert
der Zirkus Probst in Salzwedel. Wenn sich der Vorhang um 15 Uhr für die
Premierenveranstaltung hebt, werden die Besucher auch über Tiere wie Tiger,
Watussi-Rinder, Zebras, Antilopen, Ziegen und Kamele staunen. Die Volksstimme
hat nebenstehenden Leserbrief als Anlass genommen, um beim bekannten Zirkus
nachzufragen, wie es um den Tierschutz steht. Patrick Adolph stand
Volksstimme-Mitarbeiter Marco Papritz Rede und Antwort.
Volksstimme : Was halten Sie von der Forderung der Tierschutzpartei,
Wildtierhaltung im Zirkus per Gesetz zu verbieten ?
Patrick Adolph : Wir halten davon nichts. Sechs unserer Tiger sind bei uns
geboren und teilweise mit der Flasche aufgezogen worden. Wir sind in das
europäische Zuchtprogramm für sibirische Tiger integriert. Es sollte bei den
Zirkusunternehmen allerdings genauer auf die Tierhaltung geachtet werden. Da
gibt es unserer Meinung nach große Unterschiede. Beim Zirkus Krone oder Zirkus
Charles Knie gibt es eine hervorragende Tierhaltung. Abschließend eine
Gegenfrage. Wenn so ein Gesetz erlassen würde, wohin mit den Wildtieren ?
Übrigens versucht die Europäische Zirkusunion, weiterhin die Wildtierverbote
zu kippen. Auch ist der Berufsverband der Tierlehrer sehr aktiv und konnte zum
Beispiel einen Stadtratsbeschluss zum Verbot von Wildtieren in Chemnitz
annullieren.
Volksstimme : Was tut der Zirkus Probst in Sachen Tierschutz ?
Patrick Adolph : Für uns steht die Pflege unserer Tiere an oberster Stelle.
Wir haben zum Beispiel einen festen Futterlieferanten für unsere Tiger. Wir
haben einen festen Hufschmied, einen Tierarzt, der unseren Tierbestand ständig
betreut. Bei den Tigern gibt es einen Vertrag mit einem Tierarzt in
Österreich, dass dieser innerhalb von 24 Stunden vor Ort ist.
Volksstimme : Geht es den Tieren im Zirkus Probst gut ? Patrick Adolph :
Natürlich geht es unseren Tieren gut. Wir werden in jeder Gastspielstadt vom
zuständigen Amtsveterinär überprüft. Es gibt Tierbestandsbücher und
Unterlagen, die man über mehrere Jahre zurückverfolgen kann. Gern können Sie
oder die Tierschutzpartei Einsicht in diese Unterlagen erhalten. Wir
übererfüllen teilweise die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen
Mindestanforderungen bei unserer Tierhaltung. Frau Probst wurde schon für ihre
hervorragende Tierhaltung ausgezeichnet. In unserem ausgedehnten
Winterquartier in Staßfurt gibt es für alle Tiere feste Ställe unter
zooähnlichen Bedingungen.
Volksstimme : Wie geht der Zirkus Probst mit Forderungen und Hinweisen von
Tierschutzorganisationen um ?
Patrick Adolph : Wir würden uns freuen, wenn wir mit den entsprechenden
Tierschutzorganisationen konstruktiv arbeiten könnten. Leider gehen die
Tierschutzorganisationen nie über den Punkt hinaus, uns anzugreifen und vor
unserem Unternehmen, teilweise die Zuschauer beleidigend, zu demonstrieren.
Wir stehen der Tierschutzpartei jederzeit gern für Gespräche und Anregungen,
wenn sie denn in vernünftiger Art und Weise geführt werden, zur Verfügung.
Vielleicht gibt es ja Ideen, wie man unsere schon vorbildliche Tierhaltung
verbessern kann.
Volksstimme : Generell die Frage – wie sieht die Zukunft des Zirkus aus ?
Patrick Adolph : Wir sind der festen Überzeugung, dass der klassische
Tierzirkus, so wie von uns praktiziert, eine große Zukunft hat. Zirkus Probst
ist jetzt 65 Jahre auf dem Markt und hat ein treues Stammpublikum. Auch bei
Meinungsumfragen durch die Gesellschaft der Zirkusfreunde Deutschland haben
über 80 Prozent der Befragten den Wunsch nach Zirkus mit Tieren geäußert. Wir
machen Unterhaltung für die gesamte Familie im Alter von 2 bis 100 Jahren. Der
Cirque de Soleil ist ein tolles Unternehmen mit anderem Stil, der aber andere
Bevölkerungsschichten bedient. Der Kinderanteil bei den Besuchern dieses
Unternehmens ist sehr gering."




