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22.04.2010: Tierschutzpartei stößt Zirkus-Debatte an

 

Am 22.04.2010 erschien in Salzwedeler Ausgabe der Volksstimme, dem Jeetze-Kurier Salzwedel, die Meinung eines unserer Mitglieder zum Thema "Wildtierhaltung in Zirkussen". Die Redaktion nahm dies zum Anlass, beim Zirkus Probst, der gerade mit neuen Tigern durchs Land zieht, nachzufragen.

 

   

 

 

Interview mit Patrick Adolph vom Zirkus Probst - Tierpflege steht an oberster Stelle
 

"Ab morgen gastiert der Zirkus Probst in Salzwedel. Wenn sich der Vorhang um 15 Uhr für die Premierenveranstaltung hebt, werden die Besucher auch über Tiere wie Tiger, Watussi-Rinder, Zebras, Antilopen, Ziegen und Kamele staunen. Die Volksstimme hat nebenstehenden Leserbrief als Anlass genommen, um beim bekannten Zirkus nachzufragen, wie es um den Tierschutz steht. Patrick Adolph stand Volksstimme-Mitarbeiter Marco Papritz Rede und Antwort.

Volksstimme : Was halten Sie von der Forderung der Tierschutzpartei, Wildtierhaltung im Zirkus per Gesetz zu verbieten ?

Patrick Adolph : Wir halten davon nichts. Sechs unserer Tiger sind bei uns geboren und teilweise mit der Flasche aufgezogen worden. Wir sind in das europäische Zuchtprogramm für sibirische Tiger integriert. Es sollte bei den Zirkusunternehmen allerdings genauer auf die Tierhaltung geachtet werden. Da gibt es unserer Meinung nach große Unterschiede. Beim Zirkus Krone oder Zirkus Charles Knie gibt es eine hervorragende Tierhaltung. Abschließend eine Gegenfrage. Wenn so ein Gesetz erlassen würde, wohin mit den Wildtieren ? Übrigens versucht die Europäische Zirkusunion, weiterhin die Wildtierverbote zu kippen. Auch ist der Berufsverband der Tierlehrer sehr aktiv und konnte zum Beispiel einen Stadtratsbeschluss zum Verbot von Wildtieren in Chemnitz annullieren.

Volksstimme : Was tut der Zirkus Probst in Sachen Tierschutz ?

Patrick Adolph : Für uns steht die Pflege unserer Tiere an oberster Stelle. Wir haben zum Beispiel einen festen Futterlieferanten für unsere Tiger. Wir haben einen festen Hufschmied, einen Tierarzt, der unseren Tierbestand ständig betreut. Bei den Tigern gibt es einen Vertrag mit einem Tierarzt in Österreich, dass dieser innerhalb von 24 Stunden vor Ort ist.

Volksstimme : Geht es den Tieren im Zirkus Probst gut ? Patrick Adolph : Natürlich geht es unseren Tieren gut. Wir werden in jeder Gastspielstadt vom zuständigen Amtsveterinär überprüft. Es gibt Tierbestandsbücher und Unterlagen, die man über mehrere Jahre zurückverfolgen kann. Gern können Sie oder die Tierschutzpartei Einsicht in diese Unterlagen erhalten. Wir übererfüllen teilweise die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Mindestanforderungen bei unserer Tierhaltung. Frau Probst wurde schon für ihre hervorragende Tierhaltung ausgezeichnet. In unserem ausgedehnten Winterquartier in Staßfurt gibt es für alle Tiere feste Ställe unter zooähnlichen Bedingungen.

Volksstimme : Wie geht der Zirkus Probst mit Forderungen und Hinweisen von Tierschutzorganisationen um ?

Patrick Adolph : Wir würden uns freuen, wenn wir mit den entsprechenden Tierschutzorganisationen konstruktiv arbeiten könnten. Leider gehen die Tierschutzorganisationen nie über den Punkt hinaus, uns anzugreifen und vor unserem Unternehmen, teilweise die Zuschauer beleidigend, zu demonstrieren. Wir stehen der Tierschutzpartei jederzeit gern für Gespräche und Anregungen, wenn sie denn in vernünftiger Art und Weise geführt werden, zur Verfügung. Vielleicht gibt es ja Ideen, wie man unsere schon vorbildliche Tierhaltung verbessern kann.

Volksstimme : Generell die Frage – wie sieht die Zukunft des Zirkus aus ?

Patrick Adolph : Wir sind der festen Überzeugung, dass der klassische Tierzirkus, so wie von uns praktiziert, eine große Zukunft hat. Zirkus Probst ist jetzt 65 Jahre auf dem Markt und hat ein treues Stammpublikum. Auch bei Meinungsumfragen durch die Gesellschaft der Zirkusfreunde Deutschland haben über 80 Prozent der Befragten den Wunsch nach Zirkus mit Tieren geäußert. Wir machen Unterhaltung für die gesamte Familie im Alter von 2 bis 100 Jahren. Der Cirque de Soleil ist ein tolles Unternehmen mit anderem Stil, der aber andere Bevölkerungsschichten bedient. Der Kinderanteil bei den Besuchern dieses Unternehmens ist sehr gering."
 

Quelle: Volksstimme Ausgabe Salzwedel vom 22.04.2010

 

http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/lokalausgaben/salzwedel/?em_cnt=1690048&sid=jnnm8llp83ncbju3uacm9ls8i5

 

 

Nachtrag: Einige Tage später war dann zu lesen, dass der Zirkus in Salzwedel ausbleibende Zuschauer zu beklagen hatte. Vielleicht hat ja der Artikel dazu beigetragen, dass die Menschen vor Ort mal über die Situation der Tiere nachgedacht hat und zu dem Schluss kamen, diese Art der Zirkusvorstellungen nicht mehr unterstützen zu wollen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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