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Zoo

 

 

 

17.06.2010: Prozess gegen Magdeburger Zoodirektor

 

Einen Bericht unseres Landesvorsitzenden von der Verhandlung gegen Zoodirektor Kai Perret und drei weiterer Angeklagter wegen der Tötung dreier Tigerbabys im Magdeburger Zoo finden Sie hier:

 

http://www.tierschutzpartei-sachsen-anhalt.de/zooprozess.htm

 

 

 

19.06.2009: Tigertötung: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Magdeburger Zoodirektor

 

Im Fall der drei im Mai 2008 getöteten Tigerbabys hat die Staatsanwaltschaft Magdeburg Anklage gegen den Magdeburger Zoodirektor wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erhoben. Der Zoo hatte die Tigerbabys direkt nach der Geburt getötet, da sie nicht reinerbig waren. Die Tierrechtsorganisationen Animal Public und Bundesverband Menschen für Tierrechte, die seinerzeit Anzeige erstattet hatten, begrüßen die Anklageerhebung.

 

Der Zoo Magdeburg züchtet im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes Sibirische Tiger. Im Mai 2008 kamen drei Jungtiere zur Welt. Kurz nach der Geburt erhielten die lebensfähigen Tigerwelpen die Todesspritze. Einziger Grund: Ein Gentest hatte herausgestellt, dass ihr Vater, der Tiger Taskan, kein reinrassiger Sibirischer Tiger ist, sondern unter seinen Vorfahren auch ein Sumatra-Tiger war. Animal Public und der Bundesverband Menschen für Tierrechte erstatteten daraufhin Anzeige, da nach ihrer Ansicht der vom Tierschutzgesetz geforderte “vernünftige Grund” für eine Tiertötung nicht gegeben war.

 

Die Staatsanwaltschaft bejahte zunächst einen Anfangsverdacht, stellte das Verfahren dann aber ein. Nachdem die Vereine dagegen Beschwerde eingelegt hatten, forderte die zuständige Generalstaatsanwaltschaft Naumburg die Staatsanwaltschaft Magdeburg auf, erneut zu ermitteln. Jetzt hat diese Anklage erhoben.

 

Animal Public und der Bundesverband Menschen für Tierrechte begrüßen die Anklageerhebung: “Die Tötung der gesunden Jungtiere war aus unserer Sicht nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch rechtswidrig. Wir hoffen auf eine Verurteilung des verantwortlichen Zoodirektors”, so Laura Zimprich von Animal Public und Dr. Kurt Simons vom Bundesverband.

 

Kontakt: Menschen für Tierrechte e. V., Dr. Christiane Baumgartl-Simons, stv. Vorsitzende, Tel. 06751 950391

 

 

Pressemitteilung des Magdeburger Zoos zur Einstellung der Ermittlungen

 

(Originaltext; lediglich Hervorhebungen wurden von uns vorgenommen)

 

"Magdeburg. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat nach langer intensiver Prüfung, dass von verschiedenen Verbänden und Privatpersonen beantragte Ermittlungsverfahren gegen den Zoodirektor, Dr. Kai Perret, und die handelnden Mitarbeiter eingestellt. Es wurden im Rahmen dieser Prüfung umfangreiche Recherchen angestellt und Stellungnahmen u. a. auch von Tierschutzverbänden eingeholt. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg sah – wie auch schon zuvor die Staatsanwaltschaft Leipzig in einem ähnlich gelagerten Fall – keinen Anlass zur Erhebung der öffentlichen Klage, weil den Handelnden ein strafrechtlicher Vorwurf nicht gemacht werden konnte. Es ging im Kern um die Frage, ob die Tötung von Hybridjungen, also nicht reinerbigen Tieren aus Gründen des Artenschutzes gerechtfertigt ist. Der Zoo Magdeburg ist von Anbeginn offensiv mit diesem Thema umgegangen. Alle Beteiligten haben die Entscheidung, mit diesem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen, gleichwohl getroffen, weil diese Entscheidung deutschen Zoos regelmäßig abverlangt wird und Klarheit über die strafrechtliche Einschätzung vonnöten war. Dazu hatte die Zooleitung mit dem Tierarzt, den Tierpflegern und allen Beteiligten eine Ethikkommission gebildet und die Informationen an den Aufsichtsratsvorsitzenden gegeben, bevor die schwere Entscheidung zur Einschläferung der Tigerjungen getroffen wurde. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat die Argumente der Zooleitung akzeptiert und festgestellt, dass ein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes für die Einschläferung sprach.

 

Dabei hat sie anerkannt, dass die Zoologischen Gärten und Tierparks nicht nur die Aufgabe der Zurschaustellung von „niedlichen Tieren“ haben, sondern eben auch die Aufgaben, die biologische Vielfalt zu bewahren und Arten vor dem Aussterben durch koordinierte Zucht zu retten. Damit ist die Arbeit der Zoos und Tiergärten insgesamt erleichtert und sind Handlungsspielräume eröffnet worden. Nicht nur der Zoo Magdeburg, sondern die Gemeinschaft der Zoos und Tiergärten in Deutschland ist erleichtert über die Entscheidung. Hier ging es wohl gemerkt um die Frage einer strafrechtlichen Relevanz; jeder Zoo wird für sich individuell und in jedem Einzelfall nun entscheiden, ob er eine entsprechende Einschläferung ethisch-moralisch und vor dem Angesicht des betroffenen Tieres vertreten kann. Diese Entscheidung wird – weiterhin – niemanden leicht fallen; diese Entscheidungen werden weiterhin mit dem hohen moralischen Anspruch der jeweiligen Entscheidungsträger zu treffen sein."

 

Anm: Nach diesem "Persilschein" ist zu befürchten, dass nun, da "Klarheit über die strafrechtliche Einschätzung"  vorliegt und "Handlungsspielräume eröffnet" worden sind, im Magdeburger Zoo auch weiterhin der Artenschutz vor dem einzelnen Leben steht und wir auch in naher Zukunft mit der Tötung unschuldiger Wesen konfrontiert werden. Jeder Zoo wird "individuell ... entscheiden, ob er eine entsprechende Einschläferung ethisch-moralisch ... vertreten kann." In Magdeburg kann man wohl...

 

Die Bürger/innen haben ihr Entsetzen klar zum Ausdruck gebracht. Ihnen war es völlig egal, ob ein entfernter Vorfahre der Babys kein sibirischer Tiger war - immerhin galt Tigervater Taskan selbst im Zoo als "reinerbig". Über die Alternative - Babys kastrieren und vorübergehend aus dem Zuchtprogramm aussteigen - hat man wohl nicht mal ansatzweise nachgedacht. Gehen vielleicht Forschungsgelder u. a. Zuschüsse verloren - spielt also das Geld eine zu große Rolle - dann kann man wohl "ethisch-moralisch" die Entscheidung treffen, drei Leben zu erhalten - man muss es aber wohl nicht. Zumindest nicht im Magdeburger Zoo.

 

Wieder mal ein trauriger Tag für den Tierschutz...

 

Bettina Fassl am 28.01.2009

 

 

 

23.01.2009: Verfahren wegen Tötung von Tigerbabys eingestellt

Staatsanwaltschaft: "Der Zoo hat im Sinne des Artenschutzes gehandelt"
 

Nachdem im Mai vorigen Jahres drei Tigerbabys eingeschläfert worden waren, hatte es mehrere Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegeben. So ein Verstoß liege jedoch nicht vor, so Silvia Niemann, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, gestern im Volksstimme-Gespräch. Vielmehr habe der Zoo die Aufgabe des Artenschutzes und der biologischen Vielfalt, für diese sei der "Ausschluss von der Nachzucht ungeeigneter Tiere" gerechtfertigt. Grundlage sei das Washingtoner Artenschutzübereinkommen.

Eine Klage sei nur bei einem "vernünftigen Grund" gerechtfertigt. Dieser läge damit nicht vor. Zudem haben die Verantwortlichen des Magdeburger Zoos "mehrere Wege geprüft, bevor die Tiere getötet worden sind – es hat sich kein anderer Weg gefunden", so Niemann. Andere Tierparks des Weltzooverbands seien ebenfalls an das Artenschutzabkommen gebunden.
 

Nach Ansicht des Weltzooverbandes (Bern) hatte der Magdeburger Zoo verantwortungsvoll gehandelt. "Die Tiere einzuschläfern, war eine humane Entscheidung und das kleinere Übel", sagte dessen Direktor Peter Dollinger und stand von Beginn den Magdeburger Zoomitarbeitern um Kai Perret bei.

Die drei Tigerbabys waren eingeschläfert worden, weil bei einer DNA-Analyse festgestellt wurde, dass ihr Erzeuger Taskan kein "reinerbischer Sibirischer Tiger" ist.

Aus tierärztlicher Sicht sei eine Schwangerschaftsunterbrechung nicht in Betracht gekommen, um die Tigerin nicht zu gefährden.

Eine Reaktion von Zoodirektor Kai Perret auf die Verfahrenseinstellung gab es gestern trotz Anfrage nicht. Er ließ durch seine Mitarbeiterin  Katrin Demco mitteilen, dass er erst nach Rücksprache mit der Rechtsabteilung eine Pressemitteilung herausgeben würde. Damit sei frühestens am Freitag zu rechnen.
 

Quelle: Volksstimme, Ausgabe Magdeburg, vom 23.01.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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